Seit einigen Jahren gibt es die kulinarischen Radrundfahrten von Gusto Guerilla auch in Graz. Die Idee hinter Gusto Guerilla hat in Graz anfangs wirklich Spaß gemacht: mit dem Rad oder zu Fuß durch die Stadt, neue Lokale entdecken, kleine Kostproben probieren und an einem Tag mehrere Küchen kennenlernen. Genau dieser Mix hat den Reiz ausgemacht. 2024 war die Vorfreude noch groß, die Tour wurde im damaligen Beitrag als kulinarische Entdeckungsreise beschrieben. Schon damals gab es aber Kritik an kalten Speisen und zusätzlichen Ausgaben für Getränke.
Heute ist für mich trotzdem der Punkt erreicht, an dem ich nicht mehr mitfahre.
Preis und Leistung driften auseinander
Was mich am meisten stört, ist das Verhältnis von Preis und Leistung. Zu Beginn gab es rund 12 Lokale um knapp 40 Euro, 2024 waren es noch 10 Lokale um 49 Euro, 2025 stieg der Preis um weitere 5 Euro. 2026 sind es nur mehr 8 Kostproben um 59 Euro. Pro Station ist das inzwischen deutlich teurer als früher, eine Kostprobe kostet nun 7,40 Euro. Für mich fühlt sich das nicht mehr nach lockerer Genusstour an, sondern nach einem Event, bei dem der Preis immer weiter steigt, während der eigentliche Gegenwert kleiner wird.
Zu viele Wiederholungen nehmen den Reiz
Dazu kommt, dass sich Lokale über die Jahre mehrfach wiederholt haben. Natürlich haben sich die Betriebe bemüht, und viele Stationen waren für sich genommen ordentlich. Aber wenn bei einer Tour zum dritten Mal ein Lokal auftaucht, das man schon kennt, geht ein großer Teil des Entdeckergefühls verloren. Gerade das sollte bei so einem Format eigentlich der wichtigste Punkt sein.
Die Nebenkosten machen den Tag noch teurer
Ein weiteres Problem sind die Getränke. Offiziell sind sie nicht im Ticket enthalten, Konsumation ist aber ausdrücklich möglich und erwünscht. Genau das merkt man vor Ort auch. In vielen Lokalen stehen recht teure Getränke bereit, und oft entsteht schnell das Gefühl, dass man nicht einfach nur die Kostprobe nehmen und weiterziehen sollte. So sind bei mir zusätzlich zum Ticketpreis regelmäßig noch einmal rund 50 Euro zusammengekommen. Damit wird aus einer vermeintlich überschaubaren Food-Tour schnell ein deutlich teurerer Tag.
Nicht jedes Lokal hat die Tour ernst genommen
Am meisten enttäuscht hat mich aber, wie unterschiedlich engagiert die Lokale zuletzt aufgetreten sind. Manche Stationen waren gut organisiert, andere wirkten überfordert oder haben die Aktion eher nebenbei laufen lassen. Da gab es kaltes Essen, lange Wartezeiten und Lokale, in denen man das Gefühl hatte, eher abgefertigt als willkommen zu sein. Einmal hat meine Begleitung nach 45 Minuten noch immer nichts bekommen, am Ende sind wir wieder gegangen. Genau solche Erlebnisse machen den Tag mühsam, vor allem wenn man dafür mittlerweile fast 60 Euro Eintritt bezahlt.
Einweggeschirr passt für mich nicht mehr zum Preis
Dass bei großem Andrang mit Einweggeschirr gearbeitet wird, ist organisatorisch nachvollziehbar. Schön ist es trotzdem nicht. Wenn eine einzelne Kostprobe rechnerisch bei rund 7,40 Euro liegt und dann auf einem kleinen Einwegteller mit Einweggabel serviert wird, bleibt einfach ein schaler Beigeschmack. Für mich passt das weder zum Preis noch zum Anspruch einer kulinarischen Tour, bei der Qualität und Erlebnis eigentlich im Mittelpunkt stehen sollten.
Mein Fazit zu Gusto Guerilla in Graz
Die Grundidee finde ich nach wie vor gut. Eine kulinarische Rundfahrt durch Graz kann spannend sein, wenn Preis, Auswahl und Organisation zusammenpassen. Für mich ist dieses Verhältnis inzwischen aber verloren gegangen. Weniger Lokale, höhere Kosten, Wiederholungen, zusätzliche Getränkerechnungen und qualitativ sehr unterschiedliche Stopps haben dazu geführt, dass ich mich entschieden habe, bei diesen Touren nicht mehr mitzumachen. Der alte Reiz war da. Nur ist er für mich inzwischen weg.