Wie man aus sehr wenig, sehr viel machen kann und weshalb Oma’s genial sind… oder einfach: Linsen mit Semmelknödel

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Linsen mit Semmelknödel und wichtig Majoran

Früher, als Kind, war ich sehr oft bei meiner Oma. Und das sogar sehr gern, aber das hatte seine Gründe. Unter anderem nämlich kulinarische (auch wenn ich das als Kind nie so gesagt hätte).
Das hat schon in der Früh begonnen, mit den Frühstücksbrettchen. Davon hatte meine Oma ein paar, alle mit Märchenmotiven. Und wenn ich mich recht erinnere, dann war meines mit einem Motiv von Hänsel & Gretel. Aber noch viel lustiger als mein eigenes Brettchen zu verwenden, war es, meinem Opa in der Früh immer wieder Stückchen von seinem Käsebrot zu stibitzen, welches er seltsamerweise immer in Streifen geschnitten hat. So hat er mir den „Diebstahl“ auch wirklich sehr leicht gemacht! Sein liebster Ausruf in diesem Zusammenhang (oder auch in ähnlichen Situationen) war: „Hilfe, ich bin unter die Räuber gekommen!“.
Eine andere Kindheitserinnerung mit meiner Oma ist, dass ich früher nie die Schale am Apfel mochte. Also habe ich Apfelstücke mit einer Schalenschlange bekommen und diese auch gegessen (ihr wisst schon: die Schale vom Apfel rundherum, wenn möglich in einem Stück, abschälen). Auch darin war meine Oma die Beste!

Außerdem hat meine Oma immer zwischen zwölf und eins ein Mittagessen auf den Tisch „gezaubert“. Und obwohl es oft „einfache“ Sachen waren, waren sie perfekt!
Eine gute Gemüsesuppe und danach Palatschinken mit Marmelade oder auch Grießschmarrn? Perfekt! Risipisi? Ein Gottesgeschenk auf Erden! Diese Liste ließe sich jetzt endlos fortsetzen, aber das wäre zu langweilig, oder? Ich werde sie stattdessen lieber im Laufe der Zeit nachkochen; so haben alle etwas davon.

Und heute fange ich mit einem Klassiker an: Linsen mit Semmelknödel. Speck gehört auch dazu, oder irgendwie auch nicht. Denn wenn das Budget früher keinen Speck hergegeben hat, haben die Linsen auch ohne ganz fabelhaft geschmeckt.
Ich hatte diesmal ebenfalls keinen Speck mehr zuhause, also wurde es ein sehr günstiges „Arme-Leute-Essen“. Aber haben denn nicht die besten Klassiker der Küchengeschichte so begonnen?! Und manche von diesen Gerichten sind heutzutage sogar Delikatessen, welche man jetzt teuer bezahlen muss!

Klassisch werden für die Specklinsen ohne Speck Tellerlinsen verwendet, ich habe diesmal allerdings die etwas kleineren und festeren Berglinsen genommen. Praktischerweise macht das bei der Zubereitung keinen Unterschied. Und eine Kleinigkeit mache ich doch noch anders als meine Oma: denn ich gebe am Schluss nämlich noch einen kräftigen Schuss qualitativ hochwertigen Aceto Balsamico Di Modena hinzu. Meine Oma hat „normalen“ Tafelessig verwendet.

Linsen mit Semmelknödel - klassische österreichische Küche; schnell; einfach; günstig

Linsen mit Semmelknödel

Für die Linsen:
300 g Teller- oder Berglinsen, getrocknet
4 EL gutes Pflanzenöl (z.B. Sonnenblumenöl)
30 g Mehl glatt
1 große Zwiebel, feingeschnitten
1 EL Paradeismark
1/2 l Suppe
Salz & schwarzer Pfeffer
1 Bund Kuttelkraut (ich liebe dieses Wort; auch bekannt unter Echter Thymian)
Majoran, am besten frisch und nicht zu sparsam
2 Lorbeerblätter
ca. 2 EL Aceto Balsamico Di Modena, oder anderen Essig
3-4 abgetropfte Sardellenfilets in Öl

1. Die getrockneten Linsen in reichlich kaltem Wasser für einige Stunden einweichen. Das Wasser abschütten und die Linsen mit frischem Wasser (müssen mindestens bedeckt sein; wenn nötig während des Kochens noch Wasser nachgießen), Salz, Kuttelkraut und Lorbeerblättern in einem Topf weichkochen (dauert ca. 20 bis 25 Minuten).

2. In einer Pfanne das Öl erhitzen, Mehl beigeben und goldbraun rösten (das ist die Einbrenn). Die Zwiebelwürfel beigeben und ebenfalls noch kurz mitrösten. Danach das Paradeismark einrühren, mit der Suppe aufgießen und mithilfe eines Schneebesens glattrühren und 10 Minuten köcheln lassen.
In der Zwischenzeit sollten die Linsen schon weichgekocht sein. Wenn ihr jetzt denkt, dass ihr zu viel Flüssigkeit im Topf habt, dann nehmt einfach von dem Linsensud anstelle der Suppe ein paar Schöpflöffel weg und gießt die Einbrenn damit auf.

3. In die Linsen mischen und nochmal für ca. 5 Minuten köcheln lassen. Danach mit Salz, Pfeffer, Essig und den Sardellenfilets pikant abschmecken. Zum Schluss noch den feingeschnittenen Majoran untermischen.

4. An dieser Stelle könntet ihr jetzt auch noch Speckwürfel knusprig anrösten und ebenfalls unter die Linsen mischen.

Semmelknödelmasse für Linsen mit Semmelknödel - traditionelle österreichische Küche

Für die Semmelknödel:
250 g Semmelwürfel
60 g Butter
1 Zwiebel, ebenfalls feingewürfelt
200 ml Milch
3 Eier
40 g Mehl griffig
½ Bund Petersil, fein geschnitten

1. Semmelwürfel in eine große Schüssel geben. Danach die Butter in einer Pfanne schmelzen und die Zwiebelwürfel darin hell anrösten. Eier und Milch gut verschlagen, ordentlich salzen  und über die Semmelwürfel gießen. Auch die Zwiebeln in der Butter, sowie den fein geschnittenen Petersil dazugeben.
Alles gut vermischen und für 10 bis 30 Minuten anziehen lassen.

2. Danach noch das Mehl über die Masse sieben und noch mal alles gut durchmischen.

3. Reichlich Salzwasser in einem großen Topf aufkochen und danach die Hitze etwas reduzieren. Das Wasser soll nur leicht köcheln.
Mit nassen Händen aus der Masse 6 Knödel formen und schwach wallend für ca. 12 Minuten kochen.

TIPP: Ich mache bei Semmelknödel immer die doppelte Masse. Wenn dann welche übrig bleiben, kann man diese hervorragend einfrieren und hat immer ein schnelles Essen bei der Hand, wie z.B. geröstete Knödel mit Ei.

xoxo

4 Kommentare

  1. Das sieht toll aus, da bekommt man direkt Lust drauf! Bisher gab es hier nur Spätzle zu Linsen, aber Knödel sind auch eine tolle Idee. Die Sardellen müsste ich allerdings weg lassen, aber das macht bestimmt nicht allzu viel, oder?
    LG, Ramona

    • Hallo Ramona,

      na dann bin ich schon mal gespannt, wann es Linsen mit Knödel bei dir gibt 🙂 Und die Sardellen kannst du auf jeden Fall in der vegetarischen Variante weglassen, du musst dann mit den anderen Gewürzen noch etwas großzügiger sein, denn das brauchen die Linsen!
      LG Nikky

  2. Hallo 🙂
    Ja das stimmt! Das ist typisch Wienerisch!!! ICH liebe es :)…kriegt man gleich einen Gusta!
    Liebe Grüße

    • Kindheitserinnerungen auf dem Teller sind ja auch die besten Gerichte 🙂 … ich bekomme selber schon wieder Gusto 😉

      Habe ich mich auf deinem Blog verlesen oder bist du ebenfalls tatsächlich eine Exilwienerin im Waldviertel?!

      lg Nikky

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