Wie bewusste Konsumentenentscheidungen, Pionierprojekte und ein Klassiker der französischen Küche zusammengehören…

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© Toni's Freilandeier

© Toni’s Freilandeier

Wie ihr vielleicht mitbekommen habt , war das Team von Toni`s Freilandeier kürzlich so nett und hat mir vier seiner Junghähne (tiefgekühlt und verwendungsfertig) zur Verfügung gestellt.
Ich war angenehm überrascht über das tolle Geschenk und die Freude natürlich extrem groß. An dieser Stelle möchte ich auch gleich anmerken, dass die Hilfsbereitschaft und der Service beim Team von Toni’s ganz groß geschrieben wird und wirklich sehr empfehlenswert ist! Danke Toni’s!!

Angefangen hat alles mit einer Rückfrage meinerseits bezüglich der Verfügbarkeit von Eiern des Projekts „Henne & Hahn“ und natürlich auch der Junghähne aus selbigem Projekt in meiner Umgebung. Und am Ende hatte ich nicht nur alle Informationen die ich benötigte, sondern auch das Angebot, dass mir vier der Junghähne zugeschickt werden. Natürlich habe ich sofort angenommen!

Und noch etwas macht mich sehr glücklich. Nämlich, dass es so großartige Pionierprojekte hier in Österreich und auch immer wieder Köpfe gibt, die einen Schritt weiter denken. Denn das spornt auch mich (und hoffentlich auch andere) als Konsumenten an, mich eingehender mit der modernen Tierhaltung bzw. auch mit meinen Lebensmitteln zu beschäftigen. Gott sein Dank ein „Luxus“ den ich mir leisten will (auch darüber habe ich hier schon mal geschrieben) und kann.

Ich muss nämlich zugeben, bis vor nicht einmal zwei Jahren hatte ich keine Ahnung davon. Weshalb ich mir damals nie überlegt habe, was mit den Hähnen (die doch sicher auch ausgebrütet werden bei der Legehennen-Zucht) passiert, ist mir ein Rätsel!

Zum Glück wurde ich in diesem Punkt wachgerüttelt. Nämlich von zwei großartigen Projekten: zum einen von ja! Natürlich mit ihrem „Haushuhn & Gockelhahn“-Projekt (die Eier findet ihr im Supermarkt unter dem Slogan „Bio Eier mit Liebe gemacht“) und zum andern von Toni`s Freilandeiern und dem Projekt „Henne & Hahn“. Beiden gemeinsam ist, dass sie keine unbekannten Marken sind, sondern allein schon durch ihren Namen schnell die Aufmerksamkeit der breiten Öffentlichkeit gewinnen konnten und hoffentlich auch immer mehr Unterstützung.

Und was passiert denn nun mit den männlichen Geschwistern dieser abertausenden Legehennen, welche uns mit Eiern im Supermarkt versorgen?
Ganz einfach, sie werden getötet. Keine Romantik in der Hühnerzucht, sondern knallharte Kalkulation. Und Biobetriebe sind hier nicht ausgeschlossen.
Denn für die Eierproduktion werden Legehybrid-Rassen (und für die Fleischproduktion Mastgeflügelrassen, welche aber wiederum keine/kaum Eier legen) verwendet. Aber da die Natur eine langfristige Quote von 50:50 vorgesehen hat (wegen der Arterhaltung wäre es gewesen), schlüpfen natürlich auch „männliche Legehennen“ zu gleichen Teilen. Und da Hähne nun mal keine Eier legen, werden diese am selben Tag noch aussortiert und entsorgt!!
Die Hähne haben da gleich doppeltes Pech, denn da sie eine Legehybrid-Rasse sind, welche nur auf Legeleistung gezüchtet wird, sie aber wie gesagt keine Eier legen UND auch noch im Vergleich zu Mastgeflügel-Rassen nicht sehr viel Fleisch anlegen, sind sie wirtschaftlich einfach unrentabel.

Und hier kommen jetzt diese beiden Projekte und die Zweinutzungsrasse ins Spiel.
Denn Zweinutzungsrasse bedeutet, dass diese Tiere für eine gute Eierleistung, aber auch für die Fleischverwertung gleichermaßen geeignet sind.
Umgekehrt bedeutet es aber auch, dass die Hennen etwas weniger Eier legen als die „normalen“ Legerassen und diese auch noch etwas kleiner sind, aber dafür auch die Hähne ein glückliches Leben führen und ebenfalls in Freilandhaltung aufwachsen dürfen. Was wiederum auch mich glücklich macht!
Im Vergleich zu einem gewöhnlichen Masthuhn wachsen diese Hähne sogar fast dreimal länger (und dadurch auch wesentlich langsamer) auf, nämlich um die 12 Wochen lang.
Als Belohnung für diese „Mühen“ liefern sie dafür aber auch ein sehr schmackhaftes Fleisch.
Längere Mastzeiten und weniger Legeleistung bedeuten aber auch, dass sich die Preise dieser Lebensmittel erhöhen müssen und somit liegt die Entscheidung wieder bei uns, den Konsumenten, ob sich diese Pionierprojekte durchsetzen und irgendwann (hoffentlich) zur normalen Realität werden.
Denn Hähne haben genauso wie ihre eierlegenden Schwestern eine Daseinsberechtigung und dem Lebewesen Tier ist sowieso Wertschätzung und Respekt entgegenzubringen.

Ich persönlich investiere die paar Cent mehr pro Ei sehr gerne und unterstütze damit aber wieder einen Schritt in die richtige Richtung.

Und wenn ihr nun gerne noch mehr über das Henne & Hahn-Projekt von Toni’s erfahren wollt, dann könnt ihr dies hier http://www.tonishennehahn.at tun.

Aber ihr fragt euch jetzt sicher, wo der Klassiker der französischen Küche in der ganzen Geschichte bleibt, oder?
Der Klassiker den ich meine, ist der „Coq au vin“. Und dieses Gericht steht schon seit einer halben Ewigkeit auf meiner Muss-ich-unbedingt-mal-kochen-Liste. Aber wenn, dann richtig, dachte ich mir immer. Tja, einfacher gesagt als getan, denn einen Hahn aufzutreiben war in der Vergangenheit nicht unbedingt leicht (um nicht zu sagen unmöglich). Das hat sich mit diesen beiden Projekten nun aber schlagartig geändert und so steht einem richtigen Coq au vin (= Hahn im Wein) nichts mehr im Wege!

Da dies heute aber ein Tierfreitag ist, bekommt ihr das Rezept morgen. Versprochen! Außerdem hat der Gockel sowieso eine eigene Kitchen Story verdient, er hat ebenfalls viel zu erzählen 😉

xoxo

 

 

 

P.S.: wenn ihr mehr über den Tierfreitag wissen möchtet, dann könnt ihr euch hier, bei Frau Seiser, informieren.

Zur Sammelstelle für alle vergangenen und zukünftigen Beiträge geht es hier entlang:

tierfreitag

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