Mein persönlicher Dominoeffekt, ein Indianerbohnenaufstrich und ein #tierfreitag

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Scharfer Indianderbohnenaufstrich/Aufstrich aus Kidney Bohnen - auch vegan

Manches beginnt klein und entwickelt sich zu einer großen Sache. So zum Beispiel mein (Lebensmittel-) Einkaufsverhalten.
Einkaufen gehen ins nächste Lebensmittelgeschäft war für mich als Kind schon eine große Sache. Sehr oft bin ich mit meiner Mutter mitgegangen und wir haben den Wocheneinkauf zusammen getätigt. Und obwohl nie sehr viel Geld da war, hat auch meine Mutter schon früher sehr auf die Qualität und wenn es (damals) möglich war, auf die Herkunft des Produkts geachtet. „100% Österreichisch“ war jedenfalls Bedingung!
Natürlich konnte man sich nicht alles leisten, auch mussten hier und da einfach ein paar Abstriche gemacht werden, aber schon immer war unser Credo beim Einkaufen: besser ganz darauf verzichten (und vielleicht etwas länger darauf warten), als große Kompromisse zum Schlechteren einzugehen.

So ist es auch heute noch, wenn nicht sogar noch „schlimmer“. Und manche Menschen habe ich damit auch schon in die Verzweiflung getrieben, aber dazu später mehr 😉

Angefangen hat es natürlich damit, dass Bio im Vormarsch war. Später war Bio (subjektiv) auch teilweise schon leistbarer geworden und zu guter Letzt hat Bio auch in den normalen Supermarkt Einzug gehalten. Na, da konnte man doch schon ein paar Punkte beim grünen Gewissen sammeln.
Festhalten möchte ich an diesem Punkt, dass ich kein Bio-Experte bin, eher sogar das Gegenteil davon. Aber ich versuche zumindest meine Einkaufsentscheidungen so zu treffen, dass ich (meiner Meinung nach) gute Produkte/Hersteller/Projekte unterstütze und andere lieber nicht.
Aber manchmal kann ich es mir schlicht und einfach nicht leisten, weil es auch noch andere, dem Leben geschuldete Ausgaben gibt, welche sich mal ausnahmsweise nicht um das Thema Essen/Lebensmittel drehen (Ja, so etwas soll es auch geben!). Da verzichte ich dann eher darauf.
Wie zum Beispiel beim Thema Fleisch. Das hat es noch nie oft bei uns gegeben. Weder in meiner Kindheit, noch jetzt. Damals waren die Kriterien: aus Österreich muss es sein und natürlich so weit man es beurteilen kann auch von guter Qualität, aber trotzdem einfach leistbar (in einem Alleinerzieher/-verdiener-Haushalt ging das nicht anders). Tafelspitz war es nie, aber hier und da ein gutes Stückchen vom Rind, Schwein (sehr selten, mochten wir beide nie so wirklich) oder Huhn.

Heute ist das ganz anders: schließlich kann man sich per Internet, aus diversen Dokumentationen, Zeitungen, usw. eine sehr gute Meinung bilden, was heutzutage in der modernen Tierhaltung passiert und dann seine persönliche Kaufentscheidung treffen. Meine ist einfach, so wie schon früher, lieber darauf verzichten, als etwas zu unterstützen wobei ich mich nicht wohl fühle.
Das heißt für mich also, lieber nur ab und zu ein gutes Stück Biofleisch auf den Teller, aber damit einen Fortschritt in die richtige Richtung unterstützen. Und dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist, wissen wir ja alle. Nur „Bio“ sagt ja auch noch nichts über die Transportbedingungen/Schlachtbedingungen aus. Hier sind noch etliche Schritte in die richtige Richtung notwendig.
Aber das überlasse ich den Experten, nicht weil ich mich aus der Verantwortung ziehen will, sondern einfach weil die es besser können/wissen (sollten). Ich bemühe mich, das meine dazu beizutragen und versuche mit bewussten Konsumentenentscheidungen den Fortschritt zu unterstützen.

Gut, jetzt wisst ihr so ungefähr wie ich beim Essen ticke. Und seit ich ins Waldviertel gezogen bin, also so richtig aufs Land, ist es (für mich persönlich) sogar noch einfacher geworden. Hier kann ich jetzt Bio, regional und saisonal kombinieren soviel ich will. Aber selbstverständlich geht das in der Stadt auch.

Und viele Produkte lasse ich jetzt einfach im Supermarkt-Regal stehen, nämlich jene, wo ich nicht genau weiß, was drinnen ist oder wo ich mir einfach unsicher bin.
Und ich habe gelernt, dass es für mich nicht Verzicht, sondern Gewinn bedeutet, mal die eine oder andere (nicht zweifelsfreie) Zutat nicht einzukaufen bzw. durch eine andere (unbedenkliche) zu ersetzen. Denn ich brauche keinen Fertigpudding aus dem Kühlregal, sondern habe die guten Grundprodukte gleich hier, mache mir einen 1A-Vanillepudding und kann von jedem einzelnen Inhaltsstoff sagen, woher er kommt. Gewinn auf voller Linie: Geschmack, Gewissen & Genuss! Eben mein persönlicher Dominoeffekt 😉
Das kann man jetzt endlos weiterspinnen, und sollte es natürlich auch.

Und das Schöne ist, wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören und nimmt vielleicht auch das ein oder andere Familienmitglied oder auch Freunde auf die Reise „Verantwortungsvoller Konsument“ mit.
Manchmal ist es vielleicht anstrengend mit mir einkaufen zu gehen, weil ich stundenlang Inhaltsangaben studiere oder andere Produkte suche, welche meinem persönlichen Standard entsprechen, aber das ist ok. Der Markt ist groß genug 😉
Und ab und zu mache ich vielleicht eine Freundin sprachlos, weil ich im Lokal nach der Herkunft der verwendeten Eier frage bevor ich mir z.B. eine Eierspeis bestelle; aber auch das ist ok. Denn ich muss mich dabei wohlfühlen und ich will, in meinem Rahmen, etwas bewirken.

Deshalb finde ich, dass der „Tier-frei-tag“ von Frau Seiser auch wirklich eine super Idee ist und unbedingt von so vielen wie möglich unterstützt werden sollte. Denn je mehr man darüber schreibt, spricht, etwas tut, desto mehr Bewegung findet statt. Vielleicht sogar in die richtige Richtung bzw. in neue Richtungen.

Und wer sich bis hierher tapfer durchgelesen hat, den belohne ich jetzt (hoffentlich) mit einem wirklich leckeren und scharfen Indianerbohnenaufstrich. Nach dem langen Gedankenmarathon braucht ihr auch wirklich eine Stärkung 😉
Kennengelernt habe ich diesen Aufstrich als Fertigprodukt, welcher einmal eher zufällig in meinem Einkaufswagerl gelandet ist. Vegan, vital, usw. Schlagworte die ich eigentlich gar nicht leiden kann. Gegessen habe ich ihn trotzdem und er war sogar ziemlich lecker.
Aber da muss noch mehr gehen! Denn ich will genau wissen was drinnen ist! Also ist der einzig logische Schritt: selber machen! Und billiger ist es auch noch.

Ich habe heute Kidney Bohnen aus der Dose genommen (ist bei einem guten Produkt, vorzugsweise Bio, aber auch ok), einfach deshalb weil ich keine getrockneten Bohnenkerne mehr zuhause hatte. Wenn ihr getrocknete Kidney Bohnen verwenden wollt, dann weicht diese über Nacht ein und kocht sie anschließend (mit frischen Wasser), ohne Salz, für ca. 1 bis 2 Stunden weich.

Scharfer Indianderbohnenaufstrich zum #tierfreitag - oder auch veganer Kidneybohnen-Aufstrich

Scharfer Indianderbohnenaufstrich

2 Dosen Kidney Bohnen (Abtropfgewicht je 255 g)
1 kleine Knoblauchzehe, geschält
½ kleine rote Zwiebel
wenn ihr nur sehr große Zwiebeln zuhause habt, dann nehmt nur ¼, sonst ist der Geschmack zu dominant
2 EL Olivenöl
1 EL Balsamico
1 TL Zucker
1 EL Paprikapulver edelsüß
1 EL Paradeismark
Maldon Sea Salt & schwarzer Pfeffer
½ Bund Petersil, sehr fein geschnitten

Und jetzt geht es ganz einfach: alle Zutaten bis auf Salz, Pfeffer und Petersil in einen großen Mixer geben und fein hacken, bis ihr eine cremige Paste habt. Wenn ihr nur, so wie ich, einen kleinen Cutter habt, dann einfach in mehreren Portionen fein hacken.
Zum Schluss mit Salz und Pfeffer abschmecken und den Petersil untermischen. Fertig!
Wer es nicht ganz so würzig haben möchte, der nimmt am Anfang etwas weniger Paprikapulver und kann so nachher noch immer, ganz nach eigenem Geschmack, nachwürzen.

xoxo

 

 

 

P.S.: wenn ihr mehr über den Tierfreitag wissen möchtet, dann könnt ihr euch hier, bei Frau Seiser, informieren.

Zur Sammelstelle für alle vergangenen und zukünftigen Beiträge geht es hier entlang:

tierfreitag

6 Kommentare

  1. danke für die gedanken, schwester im geiste!
    (und für das feine rezept. und fürs dabei sein!)

    • Liebe Katha,

      wow, also danke für die Schwester im Geiste – ich fühle mich wirklich geehrt 🙂

      Und auch nochmals Danke für dieses Projekt (ich glaube ich wiederhole mich), denn das war endlich auch einmal für mich der Anlass darüber zu schreiben und ich hoffe das machen in Zukunft noch viele weitere (Food)Blogger, bzw. auch andere in der „realen“ Welt!

  2. Tolle Gedanken: Verzicht als Gewinn zu empfinden, trifft es ganz genau. Das versuchen wir unserer Tochter zu vermitteln und vorzuleben!

  3. Schön hier! Nette Rezepte, tolle Fotos! Liebe Grüße, Bianca

  4. Pingback: Wie bewusste Konsumentenentscheidungen, Pionierprojekte und ein Klassiker der französischen Küche zusammengehören… | Kitchen Stories

  5. Pingback: Nachhaltig einkaufen um € 6 am Tag - geht das?!

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