2 Kübel Zwetschken und viele Möglichkeiten – und warum uns Powidl nicht powidl ist

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Zwetschken für Powidl

Manchmal hat man einfach nur Glück. Denn einfach so bin ich an zwei Kübel Zwetschken gekommen.
Alles fing so an, dass sich meine Mutter ein Haus anschauen wollte, und dieses Haus steht in einem riesengroßen Garten. Und in jenem riesengroßen Garten stehen viele Obstbäume, unter anderem auch ein riesengroßer Zwetschkenbaum. Und wenn ich Bäume voller Obst sehe, sieht mein Kopf gleich Gläser voller Marmeladen, Kompotte, Röster, Chutneys und weiß der Himmel noch was alles.
Anscheinend habe ich meinen wirren Kopf von meiner Mutter geerbt, denn die dürfte auch so etwas ähnliches gesehen haben, als sie den Zwetschkenbaum erblickt hat. Also musste ich zur nächsten Besichtigung mitkommen und irgendwie habe ich es geschafft eine Einladung zum Zwetschkenernten vom Besitzer zu bekommen.

Naja, einfach so vielleicht nicht, ein paar Anstubser in die richtige Richtung musste ich schon geben.
Das ganz lief in etwa so ab: wir drei stehen gerade zusammen und sprechen über den Garten und ich: „Ooooh, Zwetschken! Da fällt mir ein ich wollte doch noch unbedingt Powidl einkochen!“ zu meiner Mutter gedreht „Lass mich nicht vergessen am Samstag Zwetschken auf dem Markt zu kaufen.“ Hier fühlte sich endlich der Hausbesitzer angesprochen: „Naaaaa, des muss ja nicht sein, hier hängen die Zwetschken eh nur rum! Da schüttel ich einfach mal den Baum und ihr sammelt die Zwetschken auf.“
Ihr ahnt schon, dass ich mich nicht lange bitten lassen musste. Und so hatte ich schon einen Tag später zwei Kübel voller Zwetschken und jede Menge Ideen was ich damit alles anstellen wollte.

 

Zwetschken für Powidl 3

Fangen wir mit Powidl an.

Ihr wollt jetzt vielleicht wissen was Powidl ist? Powidl lässt sich leider nur mit Pflaumenmus übersetzen. Wobei Zwetschken eigentlich keine Pflaumen sind, sondern deren Unterart (ich behaupte jetzt mal ganz frech deren verbesserte Variante). Die Zwetschke (von mir aus ist auch Zwetschge mit G erlaubt) ist kleiner, nicht ganz so rund und hat vor allem viel mehr Aroma.
Also kann man Powidl zwar mit Pflaumenmus übersetzen, aber Pflaumenmus ist kein Powidl. So einfach ist das.

Und Powidl ist uns deshalb auch überhaupt nicht powidl! Ihr wollt wissen was das heißt? Ganz einfach: wenn wir Österreicher (vor allem in Wien verbreitet) sagen „des is ma powidl“, dann meinen wir eigentlich „des is ma wurscht“. Na, noch immer nicht schlauer?

Hier kommt die Übersetzung: des is ma powidl = des is ma wurscht = das ist mir egal

Also, nochmal von vorne: Zwetschken sind uns nicht powidl (sprich: nicht egal) und Powidl ist uns sowieso überhaupt nicht powidl (also wieder nicht egal)!
Jetzt ist alles klar, oder?

Powidl ist im Übrigen auch keine Marmelade und schon gar keine Konfitüre (noch ein Deutsch-Österreichisches Dilemma). Weil, und das ist wichtig, der Powidl traditionell ohne alles eingekocht wird.
Also ohne Zucker und ohne Geliermittel und schon gar keine anderen Konservierungsmittel!
Aber gekocht wird er lange, und wenn ich lange schreibe, dann meine ich auch LAAANGE. Punkt, aus.

Powidl
Zwetschken für Powidl 4

Fast schon traditioneller Powidl

{ca. 8 normalgroße Marmeladegläser}

6 k Zwetschken
1 großer Topf – ein großer Gusseisentopf/bräter hat sich hier bewährt
viel Zeit & Geduld – am besten ein ganzes Wochenende

1. Die Zwetschken waschen, halbieren, entsteinen und in einen großen Topf geben.

2. Wer sich sorgt, dass die Zwetschken anbrennen, kann jetzt noch einen kleinen Schuss Wasser hinzugeben (traditionell ist dieser nicht), aber die Zwetschken verlieren gleich am Anfang genug Flüssigkeit, so dass das nicht wirklich nötig ist.

3. Das ganze wird nun mehr geköchelt als gekocht. Wobei es sich empfiehlt, am Anfang die Hitze etwas höher zu drehen und unter ständigem Rühren so lange zu warten, bis die Zwetschken etwas Flüssigkeit verloren haben. Nun das ganze eher köcheln lassen, aber nicht vergessen auch regelmäßig umzurühren!

Anmerkung: ich habe dazu auf dem Herd die Stufe 4 (von 9) gewählt.

4. Nach ca. 3 Stunden bin ich durch die Zwetschkenmasse mit dem Mixstab durchgegangen und habe alles fein püriert. So bekommt ihr am Ende einen noch feineren Powidl.

Die Einkochdauer hängt von euren Zwetschken und deren Flüssgkeitsgehalt ab, fertig ist euer Powidl wenn ihr eine dunkle, schon im heißen Zustand streichfähige Masse habt.

Als kleine Richtlinie: ich habe Samstag zu Mittag meine Zwetschken auf den Herd gestellt und diese langsam bis zum Abend köcheln lassen. Um ca. acht Uhr abends habe ich den Herd dann abgedreht und einen Deckel auf den Topf gegeben.
Am nächsten Tag (also Sonntag) habe ich den Herd um ca. neun Uhr wieder aufgedreht und das ganze hat dann noch bis um drei am Nachmittag weitergeköchelt.
Nicht vergessen: in den letzten Stunden ist das regelmäßige Umrühren schon sehr wichtig, denn eure Masse wird immer dicker.

5. Wenn der Powidl die gewünschte Konsistenz erreicht hat, diesen noch heiß in die vorbereiteten, sterilisierten Gläser abfüllen (ich habe diese noch zusätzlich mit Rum ausgespült). Sofort verschließen und kurz auf den Kopf stellen.

Zwetschken für Powidl 2

xoxo-Nikky

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