Kapuziner, Franziskaner, Obermayer, Maria Theresia, Pharisäer, ….

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… und sie alle sind im Kaffeehaus anzutreffen, wohlgemerkt im Wiener Kaffeehaus.

Landtmann-Maria TheresiaNein, das ganze ist jetzt keine Ordenskunde, bzw. Geschichtsstunde, sondern schlicht und einfach eine kleine Kaffeegeschichte.
Zum Beispiel genießt man den Franziskaner als kleinen Mocca mit viel Milch und mit Schlagobers zugedeckt, dazu noch ein paar Schokoladestreusel liebevoll drübergestreut, im Laufglas serviert. Maria Theresia hat es dagegen gerne hochprozentig, mit einem (sehr oft großzügigen) Schuss von (zu gleichen Teilen) Orangenlikör und Weinbrand, im verlängerten Mocca, mit Orangenzesten, Zucker und Schlagobersgupf, ebenfalls im Laufglas serviert.
Landtmann-OberUnd so kann es endlos weiter gehen, denn genauso endlos wie die Legenden ums Wiener Kaffeehaus sind auch die Kaffeevariationen, im Kaffee Herrenhof gab es damals sogar einen Ober, welcher stets eine Lakierfarbtafel in zwanzig verschiedenen Farbschattierungen mit sich herumtrug und seine Gäste stehts nach der gewünschten Färbung bestellen ließ.

Als Wienerin bin ich natürlich voreingenommen, aber man kann durchaus sagen, dass es nirgends so viele Kaffeevariationen wie in Wien gibt und das sie auch nirgends so gepflegt werden wie in Wien.

Ich bin auch gerne im Kaffeehaus (ganz gemäß dem Zitat von Alfred Polgar „Im Kaffeehaus sitzen Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen), ich habe sogar das Glück keine fünf Gehminuten von meinem Lieblingskaffeehaus entfernt zu arbeiten und genieße dieses Privileg auch so oft wie möglich (wenn auch in letzter Zeit nicht mehr sehr oft, eigentlich sogar selten, da die vielen Vorbereitungen für unseren Schottlandurlaub und auch andere „Kleinigkeiten“ mich von allem sehr erfolgreich abhalten – so auch vom Bloggen, aber das wird wieder, spätestens IN Schottland)
Und immerhin wurde mir das Kaffeetrinken quasi in die Wiege gelegt, ich entstamme, kann man so sagen, einer Familie reiner Kaffeetrinker und auch meine Mutter pflegt schon eine jahrelange Liebe zum Kaffeehaus, diese Tradition gehört natürlich fortgesetzt.
Außerdem ist das Kaffeehaus auch eines dieser Dinge, welche mir sehr fehlen werden, wenn ich eines Tages nicht mehr in Wien oder gar in Österreich wohne.

Landtmann-Blick ins Kaffeehaus


Friedrich Torberg
Wie dem auch sei: von den Lipizzanern der Spanischen Reitschule bis zur Oper, vom Hotel Sacher bis zur Konditorei Demel ist die Wirklichkeit, die der Legende nachkommt (ja geradezu nacheifert). So sind es die funktionierenden Legenden, die das Charakterbild Wiens entscheidend mitbestimmen. Die weitaus komplizierteste dieser Legenden ist das Wiener Kaffeehaus

Das Komplizierte an dieser Legende? Nun, das ist eigentlich recht einfach erklärt, denn wie der Kahve nach Wien kam ist allgemein hin bekannt (die Türken waren es), nur wer uns das Getränk näher brachte, in seiner heutigen Form (nicht schwarz und bitter, mit dem Sud am Boden), da lassen wir Wiener uns unsere Legende einfach nicht nehmen, der Kolschitzky war´s (auch wenn es eigentlich jemand ganz anderer war, der die erste Kaffeeausschank in Wien aufmachte – aber vieles in Wien ist Legende und trotzdem Wirklichkeit, vor allem wenn sie funktionieren)!
Als Lohn für seine Taten in den letzten Tagen der Türkenbelagerung verlange Kolschitzky lediglich die Säcke mit den zurückgelassenen Kahvebohnen (mit denen wussten wir Wiener damals noch leidlich wenig anzufangen), als Draufgabe bekam er auch noch den Hof „Zur blauen Flasche“ in der Nähe des Stock-im-Eisen-Platzes.
Aber Anfangs konnte er mit dem Getränk nicht begeistern, erst als er durch Zufall Zucker und Milch bemischte entstand unser Kaffee, unsere Melange und somit auch die Geschichte der Kaffeehäuser.
So soll Kolschitzky, laut Legende auch das Kipferl erfunden haben, als Rache an den Türken und welches nichts anderes als den türkischen Halbmond darstellen soll, in den wir Wiener nun genüsslich reinbeißen.

Und auch obwohl wir die Wahrheit kennen, die Legende klingt einfach zu schön um der Wahrheit platz zu lassen und so können und wollen wir sie auch nicht vergessen, die Legende von unserem Kolschitzky.

So bleiben nur noch die Orte zu nennen, an denen Legenden Wirklichkeit werden, aber da die Liste unserer Kaffeehäuser viel lang ist und diesen kleinen Beitrag sprengen würde, bleiben wir bei einigen ausgewählten Kaffeehäusern der Inneren Stadt (oder auch 1. Bezirk), angeführt von den letzten der einstmals 27 großen Ringstraßen-Kaffeehäusern. Hier sind zu nennen: das Café Landtmann, das Café Schottenring, das Café Schwarzenberg, das Café Prückel und dann noch das Café Diglas, Café Griensteidl, Café Hawelka, Café Central, Café Sacher,…. wie gesagt, die Liste wäre sehr lang.

Als Nicht-Wiener oder auch als Exil-Wiener kann man sich das Kaffeehaus zwar kaum nach Hause holen, dafür aber die vielen Kaffeeköstlichkeiten zuhause sehr gut nachempfinden und beim Backen und vor allem Essen der typischen Kaffeehaus-Mehlspeißen – hier sind besonders der Apfelstrudel, das Mohn- oder Nussbeugerl, der Gugelhupf, die Golatschen, das Kipferl, der Rehrücken, der Zwetschkenfleck und natürlich auch die Sachertorte zu nennen, aber es gibt noch so viele mehr – zumindest in Gedanken in Wien und in seinen Kaffeehäusern verweilen.

Landtmann-Mehlspeisenauswahl

Damit zumindest das etwas leichter geht, hier noch ein paar Rezepte der absoluten Kaffeehausklassiker, natürlich angefangen beim Kaffee selbst 😉

Kapuziner
kleine Schale zwarzer Kaffee mit einigen Tropfen Obers, in der Farbe der Kapuzinerkutten

Meisterkaffee
Schale Kaffee mit Weinbrand, extra im Schwenker serviert

Obermaier
großer Mocca, leicht gesüßter Kaffee, mit über den Löffelrücken gegossenen kaltem Obers. Wird heiß durch das kalte Obers getrunken – Obers und Kaffe dürfen sich erst beim Trinken vermischen

Pharisäer
4 cl Rum mit Kristallzucker in Einspännerglas verrührt, mit heißem Mokka aufgegossen und Schlagobershaube bedeckt (versteckt).

Kaisermelange
Großer Mokka mit Eidotter, Honig und Cognac (Weinbrand) vermischt – bei der Kaisermelange färbt Eidotter statt der Milch den Kaffee

Wiener Melange
1/2 Mokkaschale, Kaffee mit 1/2 Schale durch Wasserdampf schaumig geblasener Milch vollendet

und für den Sommer, Wiener Eiskaffee
Großer kalter Mokka mit Vanilleeis, Schlagobers und Staubzucker.

Zum Kaffee dazu, werden dann noch Beugel serviert oder eine andere der oben genannten Mehlspeißen und schon wird es ein wunderschöner Wiener (Nachmit)tag 🙂

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Mohn- oder Nussbeugel
Kategorien: Mehlspeißen, Österreich, Backen
Menge: 48 Stück, TE à 40 g

Landtmann-Bestellung

Zutaten

H TEIG, 1930 G TEIGGEWICHT
1 kg   Mehl, W 700 oder 480
300 Gramm   Milch
60 Gramm   Germ
120 Gramm   Zucker
400 Gramm   Butter
40 Gramm   Eigelb (2)
10 Gramm   Salz
      Vanille, Zitrone
H MOHNFÜLLE, CA. 1170 G
250 Gramm   Milch
200 Gramm   Zucker
100 Gramm   Süße Brösel
500 Gramm   Gemahlener Mohn
60 Gramm   Honig
50 Gramm   Rum
7 Gramm   Geriebene Zitronenschale
      Zimt
H ODER NUSSFÜLLE, CA. 1300 G
250 Gramm   Milch
200 Gramm   Zucker
100 Gramm   Butter
200 Gramm   Süße Brösel
500 Gramm   Geriebene Nüsse
40 Gramm   Rum
7 Gramm   Geriebene Zitronenschale
      Zimt
      Vanille
H EISTREICHE
40 Gramm   Eigelb (2)
50 Gramm   Ei (1)
1 Prise   Salz

Quelle

  Lehrbuch der Konditorei, Trauner Verlag
  Erfasst *RK* 21.09.2007 von
  Nicole McKenzie

Zubereitung

Für den Teig:

Den Germteig direkt und kalt herstellen (die Zutaten mit der kalten Flüssigkeit, ca. 4°C, mischen und kurz kneten, damit die Beugel ihre Triebkraft erst beim Backprozess entfalten). Anschließend kühle Teigruhe.

Teigstücke auswiegen, schleifen und entspannen lassen.

Oval ausrollen und je 50 g Mohn- oder Nussfüllung darauf legen oder aufdressieren.

Den Teig straff darüber ziehen, andrücken und zigarrenförmig rollen.

In Beugelform (Mohnbeugel spitz und Nussbeugel rundlicher) mit dem Schluss nach unten auf mit Backtrennpapier belegte Bleche wegsetzen.

Mit Eistreiche bestreichen abtrocknen lassen, nochmals bestreichen und wieder abtrocknen lassen.

Bei offenem Zug backen.

*Backtemperatur: 200°C
*Backzeit: 20 Minuten

Für die Füllung:

Milch mit Zucker und Butter aufkochen lassen, Brösel und Nüsse oder Mohn einrühren und auskühlen lassen. Mit Rum, Zitronenschale und Zimt (und Vanille) abschmecken.

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Landtmann-Innenansicht

Ein Kommentar

  1. Danke für die schöne Zusammenfassung der österreichischen Kaffee- und Kaffeehauskultur. Mir als Piefke bleibt das immer etwas fremd, es ist schon etwas spezielles und sehr schönes.

    Gerade war ich zwei Tage in Wien, hatte aber leider keine Gelegenheit, ein Kaffeehaus aufzusuchen. Zu einer Melange hat es aber natürlich schon gereicht! 🙂

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