Der Moosauer-Hof – Andrea, Severin und ihre Bienen

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Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

Den Anfang meiner „Hofgeschichten“ läutet Severin mit seinen Bienen ein. Und so zufällig es sich auch ergeben hat, aber natürlich muss es mit Honig anfangen. Weshalb? Ich habe schon immer von einem eigenen Bienenstock geträumt, denn Bienen faszinieren mich solange ich denken kann (nicht umsonst ist die Biene Hauptbestandteil meines Logos).
Leider geht das (noch) nicht, meine Nachbarn wären nicht sonderlich begeistert. Aber wer weiß was die Zukunft noch bringt!

Und natürlich liebe ich auch Honig! Auf dem Butterbrot, dem Striezel, zum Kochen, im Tee… ihr wisst schon was ich meine.

Aber nun zurück zum bezaubernden Moosauer-Hof und den BewohnerInnen.

Wie ihr sicher schon wisst bin ich vor ein paar Jahren aus Wien ins grüne, manchmal auch neblig graue, aber immer schönen, Waldviertel gezogen. Und kurz danach hat es sich auch ergeben, dass ich Andrea auf dem wöchentlichen Viktualienmarkt in Gars kennenlernen durfte.
Eigentlich bin ich über den Moosauer-Hof-Blog gestolpert, auf welchem Andrea regelmäßig neue Fotos vom Hof postet und etwas später haben wir uns auch schon Mails geschrieben. Da sind wir dann drauf gekommen, da der Moosauer-Hof von Gars nur ca. 15 Minuten entfernt liegt, dass Andrea, ebenso wie ich, fast jeden Samstag auf unserem Viktualienmarkt einkaufen geht. Also hatten wir ein paar Mails später schon unser erstes „Date“ und daraus hat sich eine lockere, von mir sehr geschätzte, Freundschaft entwickelt.
Inzwischen war ich auch schon mehrere Male bei ihr am Hof zu Besuch und es war Liebe auf den ersten Blick. Genau so einen Hof möchte ich auch einmal haben (wenn ich groß bin)!

Andrea und Severin kommen ebenfalls aus Wien und haben sich aber schon 2004 den Traum vom Leben auf dem Land verwirklicht. Stück für Stück haben die beiden den Hof seit dem renoviert, bepflanzt und sich so einen wunderschönen Rückzugsort vom Stadtleben geschaffen. Sogar einen Teich haben sie in dieser Zeit angelegt! Und damit meine ich keine kleine Planschpfütze, sondern einen richtigen, zweigeteilten, Teich. In einem Teil kann man nun schwimmen und im darunterliegenden Teich hat sich Severin sogar eine kleine Karpfenzucht angelegt.
Und dann gibt es auch noch die Bienenstöcke von Severin und auch die große Streuobstwiese mit alten Apfelsorten, Quitten, usw.
Sogar ein kleines Waldstück gehört zum Moosauer-Hof, also kann der Hof sogar mit dem eigenen Feuerholz beheizt werden. Und jetzt hätte ich fast noch die alte Schmiede und vor allem das Backhaus vergessen!

Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

Zurück zu den Bienenstöcken und dem Moosauer-Honig. 2009 hat Severin nämlich auch mit der Imkerei angefangen und sich Stück für Stück ein umfangreiches Wissen über die richtige Bienenpflege und natürlich über Honig angeeignet. Inzwischen machen er und seine Bienen also schon seit 8 Jahren Bio-Honig! Was mit einem Bienenstock angefangen hat, hat sich über die Jahre bis zu einer stattlichen Anzahl von 12 entwickelt, bis es sich nun auf eine Anzahl von ca. sechs Bienenstöcken zurückgeschraubt hat. Diese Menge sagt Severin, kann er alleine gut pflegen. Denn so ein Imker hat weit mehr zu tun als nur seine Bienenstöcke zu bewundern. Die Bienen wollen regelmäßig kontrolliert werden, ob es ihnen eh noch gut geht, keine Krankheiten/Parasiten sich eingenistet haben, usw. Und dann ist da ja auch noch die Erntezeit, Honig schleudern ist kein Zuckerschlecken! In dieser Zeit hilft natürlich die ganze Familie zusammen.

Severin hat mir an einem Nachmittag so viel über seine Bienen, die Pflege, Honig im allgemeinen und speziell über seinen Honig erzählt, dass man ganz genau gespürt hat hier ist jemand mit viel Herz bei der Sache! Ich befürchte ja, dass ich mir nur einen Bruchteil davon gemerkt habe.

Aber die wichtigste Botschaft ist: Honig geht uns alle etwas an! Denn 80 Prozent aller Blüten werden von Insekten bestäubt und den Großteil davon erledigt die Honigbiene. Gibt es keine Honigbiene, dann gibt es auch kein Obst.
Und leider steht die Biene weltweit unter Druck, denn die Varroamilbe und auch einige Pestizide und Insektizide aus der konventionellen Landwirtschaft setzen vielen Bienenvölkern zu. Wenn ihr mehr darüber wissen wollten, dann kann ich euch übrigens den Film „More than Honey“ sehr ans Herz legen.

Honig ist außerdem das älteste Süßungsmittel der Menschheit, sogar auf Höhlenmalereien ist Honig vertreten und auch in der griechischen Mythologie spielt Honig eine wichtige Rolle. Denn Göttervater Zeus wurde mit Milch und Honig (!!) als Säugling von den Nymphen ernährt. Honig ist sozusagen das älteste, verarbeitete und haltbar gemacht Lebensmittel der Welt – und zu verdanken haben wir das allein den fleißigen Bienen.

Und so ein Bienenstock ist übrigens ein Megabetrieb in sich, denn zu seiner Hochzeit im Sommer kann dieser über 40.000 Bienen beherbergen, vor dem Winter sollten es im Schnitt um die 5000 Bienen sein. Das heißt diese kleinen Flieger sind perfekt organisiert, haben eigene Kommunikationsstrukturen, Produktionsprozesse, Reinigungspläne und einen eigenen Vorratshaltungsplan. Und Bienen sind echte Teamplayer! Wahrscheinlich kann so manch ein Großkonzern von den Managementqualitäten einer Biene noch was lernen.

Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

Wie läuft so ein Leben im Stock eigentlich ab?

Grundsätzlich sollte man wissen, dass es drei verschiedene Bienenwesen gibt: aus befruchteten Eiern entstehen Königin und weibliche Arbeiterin, aus unbefruchteten Eiern schlüpfen die Drohnen.
Welches Ei zur Königin wird entscheiden die Bienen (also die Arbeiterinnen) durch den Bau einer größeren Wabenzelle, außerdem wird die Königin nach dem Schlüpfen nur mit dem nährstoffkonzentrierten Gelée Royale gefüttert. Die anderen Bienen, also Arbeiterinnen und Drohnen, bekommen dieses nur in den ersten drei Tagen und danach eine Mischung aus Gelée, Honig und Pollen.
Na hier gilt dann auf jeden Fall der Spruch „Du bist was du isst“!

Das Leben in so einem Bienenstock ist ordentlich durchgetaktet für die die Arbeiterinnen, über Putztätigkeiten, Ammendienst für den Nachwuchs, Honigproduktion, Waben bauen, Wächterbienendienst am Eingang bis hin natürlich zur Nahrungssuche haben sie ordentlich zu tun.
Die Drohnen haben es zwar ziemlich lässig, weil sie müssen ja nur beim Hochzeitsflug der Königinnen eine Königin befruchten, dafür lassen sie dabei aber auch ihr Leben.

Eine Königin wird übrigens von bis zu 10 Drohnen befruchtet und kann dabei bis zu 600.000 Samenzellen aufnehmen. Diese speichert sie in einem speziellen Organ und kann danach ihr ganzes Leben lang genügend Eier befruchten.

Ach ja, die Drohnen die beim Hochzeitsflug nicht zum Zug gekommen sind, dürfen zwar noch ihr Leben behalten, aber die süße Zeit ist für sie spätestens Mitte/Ende August vorbei. Dann geht’s zur Drohnenschlacht! Dabei verweigern die Arbeiterinnen den Drohnen das Futter und befördern sie mit Gewalt aus dem Bienenstock. Und spätestens jetzt sterben sie. Eigentlich ganz schön brutal, aber durchaus sinnvoll – denn die Drohnen sind spätestens jetzt unnütze Esser und zum nahenden Winter hin müssen die Kräfte gebündelt werden.

Und die Arbeiterinnen? Die können ziemliche Kraftakte stemmen. Immerhin legen Bienen auf der Suche nach neuen Futterplätzen bis zu 3 km zurück und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h. Neue Futterplätze (auch Tracht genannt) werden dann durch den Schwänzeltanz den anderen Bienen mitgeteilt. Dieser Schwänzeltanz zeigt den anderen Bienen im Stock die Richtung und Entfernung des Futterplatzes.

Ihr seht schon, das Thema Bienen ist ziemlich komplex! Nun könnt ihr euch also sehr gut vorstellen, wir mir der Kopf geschwirrt hat an diesem Nachmittag. Und das war erst der grobe Überblick!

Was habe ich persönlich aus diesem Nachmittag gelernt?

Honig war und ist eines meiner liebsten Süßungsmittel und gerade zu Weihnachten brauche ich tonnenweise Honig (na gut, jetzt übertreibe ich etwas), denn immerhin bin ich auch ein großer Lebkuchenliebhaber und dieser muss natürlich selbst gebacken sein! Nur dann habe ich die Kontrolle welche Zutaten verwendet werden und natürlich auch welcher Honig im Lebkuchen ist.
Denn mir ist es schon seit Jahren wichtig, dass der Honig aus verantwortungsvoller Bienenzucht kommt, natürlich auch wenn möglich mit Bio-Gütesiegel.
Und Severin und seine Bienen produzieren genau diesen Honig – mit viel Liebe und Zeit!

Ich persönlich möchte kein Honiggemisch aus EWR und Nicht-EWR-Staaten auf meinem Honigbrot haben, vielleicht einmal über den halben Globus eingeflogen, wenn ich die Möglichkeit habe hier in Österreich feinsten „Lagenhonig“ zu bekommen. Aus einem einzigen Bienenstock!

Wollt ihr den Moosauer-Hof-Honig kennenlernen?

Kein Problem, denn ich habe euch bisher verschwiegen dass der Hof sozusagen eine Dependance in Wien hat! Simon, der Sohn von Andrea und Severin führt seit 2009 in Wien das Geschäft „Simon & Jakober“. Zuerst mehrere Jahre in der Jakobergasse (ihr könnt nun schon erahnen woher der Name kommt) und seit zwei Jahren nun schon auf der Taborstraße.

Neben dem Honig vom Moosauer-Hof bekommt ihr hier noch viele weitere Produkte vom Hof. Die Ringelblumensalbe, gerührt aus selbst angebauten Ringelblumen und natürlich dem hofeigenen Bienenwachs soll schon gegen so manches Hautleiden geholfen haben und dann wäre da auch noch ganz frisch der hofeigene Apfelsaft von der Streuobstwiese, sortenrein aus Waldviertler Bohnäpfeln.
Außerdem suchen Simon und Andrea laufend neue Produkte für Ihr Sortiment von traditionellen und regionalen Betrieben in und um’s Waldviertel. Gerade vor Weihnachten findet sich dort sicher das ein oder andere Geschenk mit Geschichte.

Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

Der Moosauer Hof - ein paar Eindrücke vom Waldviertler Bienenhof

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